Klimawandel
Skitouren weniger lang möglich
Von Richard Diethelm
Im Frühling schmilzt der Schnee wegen der Klimaerwärmung rascher.
Am besten Bescheid über den Treibhauseffekt in den Alpen weiss Christoph Marty von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) angegliedert ist. Der 44-jährige Erd- und Klimawissenschafter sagt: «Ein Vergleich mit den gemessenen Daten zeigt oft, dass unsere Erinnerung an einen bestimmten Winter falsch ist.» Zum Glück verfügt das SLF über eine weltweit einmalige Messreihe, die bis ins Jahr 1936 zurückreicht.
Marty hat die Folgen der Klimaerwärmung, die in den letzten 100 Jahren im Schnitt 1,5 bis 2 Grad Celsius betrug, für die Schneedecke untersucht: «Sieht man von starken kurzfristigen Schwankungen ab, veränderte sich die Schneehöhe in Davos und höheren Lagen nur wenig. Die grossen Veränderungen spielten sich in den tieferen Lagen ab.» So bewegte sich früher die durchschnittliche Wintertemperatur im Mittelland leicht unter 0 Grad, und der Schnee blieb oft wochenlang liegen. Heute liegt die Durchschnittstemperatur leicht über 0 Grad.
Der bisherige Verlauf dieses Winters zeigt für Marty ein vom Klimawandel geprägtes Bild: «Oben hat es Schnee und unten keinen. Die gegenwärtig aussergewöhnlich grossen Schneemengen in den Nordalpen lassen sich allerdings nicht mit dem Klimawandel erklären.» In Höhenlagen über 2000 Meter wirkt sich der Klimawandel anders aus als in tiefer gelegenen Gebieten. «Wenn im Frühling die Schneeschmelze einsetzt, schmilzt der Schnee schneller weg als früher», sagt der Klimaforscher. Grund sind die höheren Sommertemperaturen. Sie bewirken, dass es im Hochgebirge im Sommerhalbjahr immer seltener schneit und stattdessen regnet. Für Skitourengänger bedeutet das: Hochtouren sind weniger lang möglich oder gewohnte Routen nicht mehr begehbar.
Jürg Schweizer, Leiter des SLF, fragt sich, wie die Schneedecke in Zukunft aussehen wird: «Dramatisch wäre es, wenn der Klimawandel die Wettersysteme so verändern würde, dass die meisten Störungen nicht mehr aus dem Nordatlantik, sondern eher aus dem Mittelmeerraum auf die Alpen zukämen.» Dann gäbe es viel weniger Schnee, weil die Winde anstelle kalter und feuchter Luft aus dem Nordwesten wärmere Luft aus dem Süden herantrügen.
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