NZZ von gestern, 1.9.2010:
Pro Tag wurden 2010 durchschnittlich Devisentransaktionen in der Höhe von 4000 Mrd. Dollar durchgeführt; 2007 waren es noch 3300 Mrd. Dollar pro Tag.
Und weiter:
Im April 2010 waren Hedge Funds und ähnliche Institute damit durchschnittlich in Devisentransaktionen in der Höhe von 1900 Mrd. Dollar pro Tag involviert – dies entspricht knapp der Hälfte des gesamten Umsatzes. Der Wert lag vor drei Jahren noch bei 1300 Mrd. Dollar, was einem Anteil am Gesamtumsatz von 40 Prozent entsprach.
Ein kleiner Vergleich gefällig:
4'000 Milliarden sind 4'000'000'000'000 Dollar (3.125 Mrd. Euro) - pro Tag - und das entspricht der Achtfachen Wertschöpfung, welche die ganze Schweizer Wirtschaft in einem Jahr erbringt!
Oder dieser Vergleich:
Der gesamte Welthandel macht derzeit zirka 15.000 Milliarden Dollar aus – allerdings jährlich.
Die Wiener Zeitung schreibt dazu:
Für Sorgenfalten bei den Notenbanken und Aufsichtsbehörden sorgen die Zahlen allemal. Besonders stark gestiegen – und zwar gleich um 48 Prozent in drei Jahren – ist der Devisenhandel am "Spotmarkt". Dabei wird simpel eine Währung gegen die andere getauscht, es gibt dabei ausschließlich eine Kursspekulation, Zinsunterschiede spielen keine Rolle. Großen Anteil daran haben Handelsprogramme, die sich nur zwischen Computern abspielen, und zwar tausendfach pro Minute. Die Programme laufen einfach – quasi nebenbei.
"Opaque trading" (undurchsichtiger Handel) wird das im Fachjargon genannt, für Aufsichtsbehörden ein Albtraum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) äußerte sich im März überaus kritisch zu diesen Computerprogrammen. "Große Institute wie Goldman-Sachs, der Hedgefonds Citadel oder der unabhängige Finanzdienstleister Getco investieren heftig in Supercomputer und Software, designed für dieses Geschäft", ist da zu lesen.
Führt man sich das vor Augen, dann erweist sich die "Finanzwirtschaftszauberformel", dass aus Geld noch mehr Geld gemacht wird (was 2008 schlussendlich zum Kollaps führte) immer noch - oder schon wieder - leider als wahr.
Wirkliche Wertschöpfung kann allerdings nur durch Arbeit erfolgen. In Anbetracht der obigen Zahlen und der daraus resultierenden Gewinne ist allerdings jeder, der seriös arbeitet ein Volldepp.
Ich frage mich immer noch, warum die Menge der Leute noch keine Revolution vom Zaun gerissen hat, warum wir alle noch nicht aufgestanden sind. Der einen Boni (Banker) sind der anderen (Industrie, Arbeiter) Verluste. Die einen, die beim Arbeiten dreckige Finger kriegen und mit 60 am Stock gehen, denen wird Lohn und Sozialleistung weggefressen - die welche im Nadelstreifenanzug um 10 Uhr auf den Golfplatz fahren, denen wird auf "wundersame Weise" der Geldspeicher gefüllt.
Wo leben wir eigentlich?
Nachdenkliche Grüsse
Kusi


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