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Thema: Gletschersee Grindelwaldgletscher

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    Wetter-Foren-Crack Avatar von shrek
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    Standard Gletschersee Grindelwaldgletscher

    Hier ein Auszug aus der AZ von heute 28.5.09

    Die Gegend um den unteren
    Grindelwaldgletscher ist eine
    bewegte Region. 2006 stürzten
    Teile des Eigers nieder,
    jetzt droht der Gletschersee
    zu überlaufen. Schuld ist der
    Klimawandel.
    BENNO TUCHSCHMID
    Hans-Rudolf Keusen macht sich
    Sorgen. Der Geologe mit dem wettergegerbten
    Gesicht sitzt im Berghaus
    Bäregg, oberhalb von Grindelwald,
    auf 1775 Metern über Meer
    und trinkt einen Kaffee. Gerade ist
    er mit dem Helikopter vom Gletschersee
    her kommend gelandet.
    «Der See ist randvoll», sagt er. 2,3
    Millionen Kubikmeter Wasser fasste
    der See gestern. 70 Zentimeter
    fehlen noch, bis er über die Moräne
    schwappt, die einen natürlichen
    Damm bildet und den See staut
    (vgl. Grafik).
    Hans-Rudolf Keusen beobachtet
    den See seit Jahren, der Kanton Bern
    hat die Firma Geotest, für die Keusen
    arbeitet, beauftragt, den Gletschersee
    zu überwachen. Keusen
    kennt das schlimmste Szenario: «Es
    kommt vor, dass das Wasser seinen
    Weg durch die Moräne findet und
    plötzlich abfliesst.» Genau das ist
    letztes Jahr schon geschehen, nur
    hatte der Gletschersee damals viel
    weniger Wasser. Fliesst der See jetzt
    aus, dann drohen im Tal ein Campingplatz,
    ein Golfplatz und die
    Grindelwalder Station der Junfraubahn
    überschwemmt zu werden.
    BEI NEBEL IST das Berghaus Bäregg
    ein unheimlicher Ort. Von der Terrasse
    aus sieht man tief unten den
    Gletschersee, trüb wie eine Baustellenpfütze.
    Vom See ziehen Nebelschwaden
    die Schutthänge hoch –
    alles sieht grau, karg und lebensfeindlich
    aus. Hin und wieder
    grollt und donnert es hinter der Nebelbank,
    welche die Sicht auf den
    Hang gegenüber verstellt. Dahinter
    fallen Felsbrocken ins Tal.
    «Ja, manchmal ist es ein bisschen
    ‹gfürchig›», sagt Marianne
    Burgener und lacht herzhaft. Sie
    sitzt an einem Tisch in der Hütte
    Bäregg, die sie zusammen mit
    ihrem Mann Hansruedi Burgener
    führt. Die zwei haben schon einiges
    erlebt hier oben. 2004 übernahmen
    die beiden die Stieregghütte, keine
    hundert Meter entfernt von der
    Bäregg. Die Stieregghütte galt als
    eine der schönsten Alphütten der
    Schweiz. Nur eine Saison nachdem
    sie das Haus übernommen hatten,
    bemerkten die zwei Risse im Boden
    ihrer Terrasse. Knapp zehn Tage
    später rutschte der Hang samt Hütte
    ins Tal.
    DOCH DIE BURGENERS rappelten
    sich wieder auf. Sie bauten das Berghaus
    Bäregg. In Ihrer ersten Saison
    2006 stürzte vis-a-vis der halbe Eiger
    ein – und die ganze Welt schaute zu.
    22 internationale Fernsehteams kamen
    an manchen Tagen und dazu
    viele Touristen, die sich das Spektaktel
    nicht entgehen lassen wollten.
    «2007 war dann relativ ruhig»,
    sagt Burgener. 2008 begann die Sache
    mit dem Gletschersee.
    Gletscherseen seien ein neues
    Phänomen, sagt Geologe Keusen.
    Ein Phänomen des Klimawandels.
    Die Gegend um den Gletschersee
    ist so etwas wie ein Grosslabor für
    die Auswirkungen des Klimawandels.
    «Das ist eine weltweit einzigartige
    Region», sagt Keusen. Der
    Grund: Nirgends lassen sich in einer
    so kleinen Bergregion so viele
    Auswirkungen der globalen Erwärmung
    beobachten. Gletscherschwund,
    Rückgang des Permafrosts,
    Erdrutsche, Steinschlag.
    «Was hier passiert, wird früher oder
    später auch bei grösseren Gletschern
    in der Schweiz passieren»,
    sagt Keusen.
    MARIANNE UND HANSRUEDI Burgener
    kennen den Geologen gut. Sie
    sehen sich fast jede Woche, so oft
    kommt Keusen hier hoch. Jetzt stehen
    sie zusammen auf der Terrasse
    des Berghauses. Mittlerweile hat
    sich der Nebel verzogen. Der Blick
    geht hinauf in den Schutthang oberhalb
    des Sees, in dem vorgestern
    Nacht mit grossem Donnergrollen
    neue Gesteinsmassen abgebrochen
    waren. Dabei wurde ein Messgerät
    der Geologen mitgerissen.
    Hansruedi Burgener schaut
    durch ein Fernglas und sagt zu Keusen:
    «Ja, die Dreizehn hat es mitgerissen.
    Die Vierzehn steht noch.»
    Burgener arbeitet im Winter als Pistenchef
    auf dem Männlichen. Doch
    er ist mittlerweile auch so etwas wie
    ein wissenschaftlicher Mitarbeiter
    von Hans Rudolf Keusen geworden.
    «Wir sind ein halbes Jahr ohne Unterbruch
    hier. Wir sehen alle Veränderungen.
    » Und von denen gibt es
    mehr als genug. «Der See ist über
    Nacht wieder grösser geworden»,
    sagt Marianne Burgener.
    OBWOHL ES HIER OBEN manchmal
    «gfürchig» ist – die beiden
    möchten nichts anderes. Und wenn
    das Wetter gut ist, flösst einem die
    Gegend auch keine Angst mehr ein.
    Im Gegenteil, sie ist wunderschön.
    Ausser dem Gletschersee. Der
    gleicht immer noch einer Pfütze.
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